Aufträge für Handwerker: selbst suchen oder gefunden werden

Off-Page MarketingVeröffentlicht am Lesezeit ca. 8 MinutenVon

Aufträge für Handwerker kommen auf zwei Wegen in den Betrieb. Entweder suchst Du sie selbst: auf Auftragsportalen, in öffentlichen Ausschreibungen, über Kleinanzeigen oder als Subunternehmer anderer Betriebe. Oder die Kundschaft sucht einen Betrieb und findet Dich über Empfehlungen, Dein Google Unternehmensprofil und Deine Website. Die Wege unterscheiden sich darin, wer den ersten Schritt macht, wer die Regeln setzt und wann sie wirken.

Wer macht den ersten Schritt? Auftragsquellen im Vergleich

Jede Auftragsquelle lässt sich an drei Fragen prüfen: Wer meldet sich zuerst? Wer bestimmt die Bedingungen? Und was musst Du erledigen, bevor der erste Kontakt kommt? Die Tabelle ordnet sechs Quellen danach. Einzelne Anbieter bewerte ich dabei nicht.

Sechs Auftragsquellen für Handwerksbetriebe: wer den Kontakt anstößt und wer die Regeln setzt
QuelleWer meldet sich zuerst?Wer setzt die Regeln?Was Du vorab brauchst
AuftragsportalDu, auf ein eingestelltes Vorhabendie Plattform: Darstellung, Reihenfolge, Kostenein Profil auf der Plattform
Öffentliche AusschreibungDu, mit einem Angebotder Auftraggeber: Leistungsverzeichnis, Fristen, FormZeit für Kalkulation und Unterlagen
Kleinanzeigen und Gruppenmal Du, mal die Kundschaftdie Plattform und die Gruppeein Konto und regelmäßiges Nachsehen
Auftrag eines anderen Betriebsder Hauptauftragnehmer oder Duder Hauptauftragnehmer: Preis, TermineKontakte zu Bauträgern und Generalunternehmern
Empfehlungdie KundschaftDu, durch Deine ArbeitKunden, die Deinen Namen weitergeben
Unternehmensprofil und Websitedie KundschaftDu, beim Profil im Rahmen von Googles Richtlinienein gepflegtes Profil und Seiten zu Deinen Leistungen

Die ersten vier Quellen bringen Kontakte, ohne dass Du vorher eine Website aufbaust. Dafür findet der Kontakt auf fremdem Grund statt: Neben Deinem Angebot liegen andere, und die Regeln schreibt jemand anderes. Bei Empfehlung, Profil und Website kommt die Kundschaft zu Dir, unter Deinem Namen. Diese Wege brauchen Vorarbeit und greifen erst, wenn jemand Bedarf hat.

Selbst suchen: Was Du vor Portal und Ausschreibung klärst

Auftragsportale unterscheiden sich vor allem in ihren Bedingungen. Preise nenne ich hier keine, weil sie sich häufig ändern. Diese vier Fragen helfen Dir, Angebote zu vergleichen:

  • Abrechnung: Zahlst Du pauschal im Monat, je Kontakt oder je Auftrag?
  • Wettbewerb: Wie viele Betriebe sehen dasselbe Vorhaben?
  • Laufzeit: Wie lange bindet Dich der Vertrag, und wie kommst Du wieder heraus?
  • Bewertungen: Was geschieht mit Deinen Bewertungen auf der Plattform, wenn Du gehst?

Die Antworten stehen in den Unterlagen des jeweiligen Anbieters. Die Vertragsprüfung bleibt bei Dir.

Öffentliche Ausschreibungen sind an einer Stelle gebündelt: im Datenservice Öffentlicher Einkauf unter oeffentlichevergabe.de. Dort stehen Bekanntmachungen von Bund, Ländern und Kommunen. Suchen kannst Du ohne Anmeldung, Gebühren fallen nicht an (Serviceportal Bremen). Ausschreibungen eignen sich für Betriebe, die nach Leistungsverzeichnis kalkulieren und Abgabetermine sicher halten. Bei Fragen zum Vergabeverfahren kann Deine Handwerkskammer eine erste Anlaufstelle sein.

Gefunden werden: So oft sucht die Kundschaft nach Deinem Gewerk

Die Gegenrichtung beginnt bei der Kundschaft. Wer einen Betrieb braucht, tippt zum Beispiel das Gewerk und „in der nähe“ in die Google-Suche. Wie oft das im Monat geschah, zeigt die Tabelle für 15 Gewerke, bundesweit.

Suchen pro Monat in Deutschland nach „Gewerk in der nähe“: Mittel aus zwölf Monaten sowie Dezember 2025 und März 2026
SuchbegriffØ pro MonatDezember 2025März 2026
autowerkstatt in der nähe27.10022.20033.100
elektriker in der nähe22.20018.10022.200
dachdecker in der nähe18.1008.10022.200
glaser in der nähe9.9006.60012.100
heizungsbauer in der nähe9.9008.1009.900
schreiner in der nähe9.9006.60012.100
fliesenleger in der nähe8.1004.4009.900
gartenbau in der nähe6.6002.4009.900
maler in der nähe6.6003.6009.900
sanitär in der nähe5.4004.4006.600
schlosser in der nähe5.4003.6008.100
trockenbauer in der nähe2.9002.4004.400
raumausstatter in der nähe2.4001.9003.600
bodenleger in der nähe1.9001.6002.400
solarteur in der nähe8803901.300

Eigene Erhebung, Abruf September 2026 über DataforSEO (Google-Ads-Daten). Ø = Mittel aus zwölf Monaten (September 2025 bis August 2026), von Google gerundet.

Auffällig ist die Wortwahl. In diesen Daten sucht die Kundschaft mit Alltagswörtern: „elektriker in der nähe“ kam auf 22.200 Suchen im Monat, „elektroinstallateur in der nähe“ auf 880. Bei „maler und lackierer in der nähe“ waren es ebenfalls 880, gegenüber 6.600 für „maler in der nähe“. Für Profil und Website heißt das: Nenn Dein Gewerk so, wie Kunden es nennen.

Für Deinen Ort ist die Tabelle nur ein Maßstab. Sie erfasst eine einzige Formulierung und ganz Deutschland. In Deinem Einzugsgebiet ist es ein kleiner Ausschnitt davon.

So habe ich gemessen

Je Gewerk steht die meistgesuchte Form „… in der nähe“ aus einer eigenen Auswahl von 126 Suchbegriffen zu Handwerk und Bau. Mittel und Monatswerte rundet Google getrennt; das Mittel kann deshalb über den meisten Monatswerten liegen. Die Werte sind Google-Ads-Daten für ganz Deutschland, die ich am 22. September 2026 über DataforSEO abgerufen habe. Allgemeine Suchen wie „baufirma in der nähe“ und Planungsberufe wie Innenarchitektur sind nicht aufgenommen. Schreibweisen mit identischen Werten zählen einmal, etwa „glaser“ und „glaserei“. Google rundet Mittel und Monatswerte in Stufen. Grenzen: ein einziges Jahr, bundesweite Werte, nur diese Formulierung; Suchen mit Ortsnamen oder nur dem Gewerk fehlen.

Saison: In welchen Monaten die Kundschaft seltener sucht

Kundensuchen verteilen sich nicht gleichmäßig über das Jahr. Bei 9 der 15 Suchbegriffe aus der Tabelle war der Dezember 2025 allein der schwächste Monat, bei 5 weiteren lag er gleichauf auf der untersten Stufe. Der März 2026 war bei 13 von ihnen der stärkste, auch hier teils gleichauf.

Wie groß der Abstand ist, hängt am Gewerk. Im Gartenbau lag der Dezember bei rund einem Viertel des März-Werts, bei Dachdeckern und Malern bei gut einem Drittel. Bei Elektrikern pendeln die Werte nur zwischen zwei Rundungsstufen. Bei Heizungsbauern lief es anders: Am wenigsten wurde im Juni 2026 gesucht, am meisten im Oktober 2025 und im Januar 2026.

Für Deine Planung heißt das: Fällt die Nachfrage Deines Gewerks im Winter deutlich, brauchst Du für diese Wochen Quellen, bei denen Du selbst den ersten Schritt machst. Das können Ausschreibungen sein, ein Portal, Aufträge anderer Betriebe oder Wartungstermine bei Bestandskunden. Ob Deine ruhigen Monate dieselben sind, zeigt Dir Dein eigenes Auftragsbuch genauer als jede bundesweite Zahl.

Profil und Website: Was Kundensuchen bei Dir finden sollten

Sucht jemand einen Betrieb in seiner Nähe, zeigt Google lokale Ergebnisse in der Suche und in Maps (Unternehmensprofil-Hilfe). Wie Du Dein Google Unternehmensprofil anlegst und ein Einzugsgebiet einträgst, wenn Du zum Kunden fährst, steht im eigenen Ratgeber. Hier geht es um die Arbeitsteilung zwischen Profil und Website.

Das Profil beantwortet die Fragen vor dem ersten Anruf: Wer bist Du, was machst Du, wie erreicht man Dich, und was sagen andere Kunden? Mehr dazu im Beitrag Bewertungen im Handwerks-Marketing. Auf der Website ist Platz für alles, was ins Profil nicht passt:

  • Eine Seite je Leistung, benannt mit dem Wort, das Kunden eintippen.
  • Dein Einzugsgebiet mit den Orten, in denen Du arbeitest.
  • Referenzen und Ablauf, damit Kunden wissen, was sie erwartet.
  • Ein Anfrageweg, der Art der Arbeit, Ort und Zeitraum gleich mit erfragt.

Die Anfrage landet dann ohne Vermittler bei Dir. Wie Dein Betrieb auftritt, bestimmst Du selbst: auf eigenem Grund statt auf fremdem.

Welche Quelle trägt? Kosten je Auftrag selbst ausrechnen

Ob Portal, Ausschreibung oder Website bei Dir mehr bringt, verrät keine allgemeine Statistik. Das zeigen Deine eigenen Zahlen. Notiere ein Quartal lang zu jeder Anfrage die Quelle und ob daraus ein Auftrag wurde. Danach rechnest Du für jede Quelle:

Kosten je Auftrag = Kosten der Quelle im Quartal ÷ Aufträge aus dieser Quelle

Ein Beispiel mit erfundenen Zahlen: Eine Quelle kostet Dich 600 Euro im Quartal und bringt 4 Aufträge. Dann kostet Dich jeder Auftrag 150 Euro. Zähl Deine Zeit für Angebote mit, die nicht zum Zug kamen, denn die fällt bei jeder Quelle an.

Für die Website hilft die Google Search Console, Googles Auswertung der Suchdaten Deiner Seiten. Sie zeigt, bei welchen Suchanfragen Deine Website erscheint und wie oft sie angeklickt wird. Eine Garantie auf mehr Aufträge gibt keiner der Wege. Wer mehrere nutzt, hängt aber an keinem allein.

Häufige Fragen zu Aufträgen für Handwerker

Welche Plattformen gibt es, um Handwerker zu finden?

Kunden finden Betriebe per Google-Suche und Google Maps, auf Auftrags- und Vermittlungsportalen, in Branchenverzeichnissen sowie über Kleinanzeigen und regionale Gruppen in sozialen Netzwerken. Welche davon in Deiner Region zählt, unterscheidet sich je nach Gewerk und Ort. Wie Du Deinen Betrieb dort einträgst, erklärt der Ratgeber zu lokalen Verzeichnissen und Online-Branchenbüchern.

Wie komme ich an mehr Aufträge?

Ein oft übersehener Weg führt über Kunden, die Dich schon kennen. Biete Wartung oder Nachkontrollen an, wo Dein Gewerk sie hergibt, und vereinbare den nächsten Termin gleich vor Ort. Frag nach einem gelungenen Auftrag, ob Du weiterempfohlen werden darfst. Wer gute Erfahrungen gemacht hat, kennt Deinen Namen schon, wenn die nächste Arbeit ansteht.

Was tun, wenn in meiner Gegend kaum nach meinem Gewerk gesucht wird?

Prüf zuerst die Zahlen für Deine Region. Der Keyword-Planer in Google Ads zeigt, wie oft im Monat im Schnitt in den gewählten Orten gesucht wird (Google-Ads-Hilfe). Ist die Nachfrage gering, dient die Website eher als Nachweis für Empfehlungen. Ausschreibungen, Portale und Aufträge anderer Betriebe liefern dann womöglich den größeren Teil.